Freizeitindustrie in Carnuntum

Die Auswertung der Ergebnisse des Projekts „Gesamtprospektion Kernzone Carnuntum“ förderte nach der Entdeckung der Gladiatorenschule, den frühesten Marschlagern und der Kaserne der Leibgarde des Statthalters weitere spektakuläre Funde zutage: Es konnte eine hochentwickelte Freizeitinfrastruktur mit Tavernen, Großbäckereien und Geschäften rund um das Amphitheater und die 2011 entdeckte Gladiatorenschule belegt werden. Ein weiterer sensationeller Fund ist ein bisher unbekanntes drittes Amphitheater in Carnuntum.

 

Umfassende Freizeitinfrastruktur

Nördlich des vor etwa 90 Jahren freigelegten Amphitheaters und der Gladiatorenschule in Petronell-Carnuntum konnte ein ganzer Stadtbezirk mit Großbäckereien, Tavernen und Geschäften – der wesentlichen Infrastruktur für die Durchführung römischer Spektakel wie Gladiatorenkämpfen („Brot und Spiele“) – nachgewiesen werden.

Der Weg zum Amphitheater führte aus der Stadt hinaus durch ein Stadttor der seit dem Beginn des 3. Jhs. n. Chr. bestehenden Stadtmauer, welche die Zivilstadt umschloss. Den Weg säumten Tavernen (tabernae), Souvenirgeschäfte und Imbissstuben (thermopolia), wo Händler ihre Ware über straßenseitige Ladentheken zum Verkauf anboten und Wirtshäuser das Publikum zum Verweilen einluden. Hinter einer der Schenken entdeckten die Wissenschafter ein Speichergebäude (horreum) und Keller, in denen wohl Wein gelagert worden sein dürfte. Außerdem zeigten sich die Reste eines großen Ofens, in dem wohl Brot für die bis zu 13.000 Zuschauer im Amphitheater gebacken wurde. Auch ein bei Grabungen im Jahre 2009 freigelegter Baukomplex mit einer Vielzahl an Brotbacköfen im Bereich der heutigen Zufahrt zum Parkplatz der Römerstadt Carnuntum diente wohl diesem Zweck.

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Bisher unbekanntes drittes Amphitheater

Historisch noch sensationeller ist aber der Befund eines unter der späteren Stadtmauer festgestellten, bislang noch völlig unbekannten Amphitheaters. Diese Anlage – nur 400 m nördlich des heute sichtbaren steinernen Amphitheaters aus dem 2. Jh. n. Chr. – ist der wohl früheste eindeutig definierte Veranstaltungsbereich der Römerstadt Carnuntum nach dem Amphitheater östlich des Legionslagers in Bad Deutsch-Altenburg!

Nachgewiesen ist, dass die innere cavea-Mauer und die Fundamente der Torbereiche aus Stein erbaut waren. Es ist anzunehmen, dass sich dahinter ein Holzbau erhob. Rein hölzerne Amphitheater aus solch früher Zeit sind bislang nur sehr wenige bekannt, wie etwa in Künzing (Bayern) oder Londinium (Großbritannien). Dieses Amphitheater lag an der Kreuzung der beiden wichtigsten Hauptverbindungen Carnuntums: der Limesstraße (decumanus) nach Westen und der Verbindung nach Rom (cardo) neben einem möglicherweise älteren Tempel für Silvanus und den Quadriviae (Römische Weggottheiten, die auf der Reise schützen sollten).

Neues Stadtviertel im Bereich der Lagerstadt

Westlich des Legionslagers in Bad Deutsch-Altenburg konnte nördlich der Limesstraße in der Lagerstadt ein bislang nicht bekannter Stadtteil festgestellt werden, der im Zuge der stadtgeschichtlichen Entwicklung vom 1. – 3. Jh. n. Chr. völlig umgestaltet wurde. Hier müssen weitere Untersuchungen helfen, um den historischen Ablauf der Stadtentwicklung genauer aufzeigen zu können.

Bilder und Video sind zu sehen unter http://carnuntum.7reasons.net

 

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