Grabungsergebnisse Villa Urbana

2016 wurden die im Vorjahr wieder aufgenommenen Untersuchungen im Südbereich der Villa Urbana fortgeführt. Ziel ist die Erforschung des an der Südstraße gelegenen Bereichs dieses großen städtischen Wohnkomplexes.

Neuigkeiten aus der Zivilstadt

2016 wurde die Grabung im Bereich hinter der Villa Urbana fortgesetzt. Im Anschluss an die Arbeiten des vergangenen Jahres erfolgte die Freilegung einzelner Flächen bis auf und in das Eiszeitalluvium. In allen freigelegten Flächen fehlte der durch pflanzliche und tierische Ablagerungen entstehende Humus. Dieser wurde, vermutlich zur Gewinnung von Baumaterial, großflächig abgestochen.

Der bereits in der früheren Freilegung entdeckte V-Graben, der möglicherweise zum Sammeln von Oberflächenwasser diente, konnte in östlicher Fortsetzung weiter ergraben werden. An einer anderen Stelle erstreckte sich die Grabung über zwei Parzellen der ursprünglichen Centuriation (Vermessung) der Zivilstadt. Die hier von den Archäologen erwartete Grundgrenze ist jedoch dem Einbau einer folgenden Mauer zum Opfer gefallen.

Knapp nördlich der Straße konnte der östliche Beginn der unterirdischen Drainage aus dem frühen 2. Jahrhundert geortet werden. Über diese Drainage wurde der Brunnen der Stadtvierteltherme mit Grundwasser dotiert.

Grabung Villa 2

 

Bisherige Ergebnisse:
Die freigelegte Fläche ergab als frühestes fassbares Element einen breiten Graben aus dem 1. Jh. n. Chr., der sehr wahrscheinlich zum Sammeln von Oberflächenwasser diente (1). Etwa in der Mitte des 2. Jhs. entstand ein Bauwerk, das mit Mörtelestrichen ausgestattet war. Von seinen aufgehenden Mauern haben sich nur die seichten Einsetzgruben erhalten (2).

Um 200 n. Chr. wurde die Fläche umgestaltet. Eine Mauer, die von der Südstraße ablief, trennte sie in einen westlichen und einen östlichen Bereich. Sie ist allerdings nur als Ausrissgrube erhalten, da sie im Barock zur Gewinnung von Baumaterial bis in ihr Fundament abgetragen wurde.

In den Jahrzehnten um 300 n. Chr. wurde das Gelände erneut angeschüttet. Im Westen lehnte sich nun ein aus Erdziegeln errichtetes kleines Gebäude an die Mauer. Massive neuzeitliche Eingriffe haben allerdings dazu geführt, dass von ihm nur eine Mauerecke erhalten war (3).

365 n. Chr. verwüstete ein Erdbeben Carnuntum und seine Umgebung, dessen Zerstörungen archäologisch in der gesamten Zivilstadt nachweisbar sind. In der heurigen Untersuchungsfläche manifestieren sie sich primär als massiver Schutthorizont. Er entstand, als der Abbruchschutt der zerstörten Bauten der Villa Urbana einplaniert wurde. Beträchtliche Mengen an Freskenbruch erlauben weitere Rückschlüsse auf die reiche Ausgestaltung des Gebäudes vor seiner Zerstörung (4). Auf der Fläche entstanden erneut kleine Bauten aus Erdziegeln. In einem der Gebäude lag eine große Herdstelle. Wahrscheinlich wurde es als Werkstätte genutzt, doch lassen sich aus dem Befund keine weiterführenden Informationen gewinnen. Massive Eingriffe im Barock und im 20. Jh. haben ihn stark gestört.

 

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(1) Graben als Wasserbecken

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(2) Mauergräben

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(3) Erdziegelmauer

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(4) Freskenbruchstücke

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