Carnuntum zur Römerzeit

Ausdehnung Carnuntums und historischer Abriss

Die antike Stadt Carnuntum in den heutigen Ortschaften Bad Deutsch-Altenburg und Petronell-Carnuntum (VB Bruck an der Leitha) erstreckte sich über eine Fläche von 10 km2. Im Osten reichte das römerzeitlich besiedelte Areal bis zum Pfaffenberg in Bad Deutsch-Altenburg, im Westen bis etwa 1,5 km westlich der heutigen Marktgemeinde Petronell-Carnuntum Richtung Wildungsmauer. Im Norden wurde das Siedlungsgebiet römischer Zeit durch den Steilhang der Donau bzw. ihrer vielen in der Antike existierenden Nebenarme vorgegeben, im Süden reichte die Bebauung in etwa bis zur heutigen Umfahrung an der Bundesstraße B9.

Wie uns durch den hohen römischen Offizier Velleius Paterculus überliefert ist, erreichte der spätere Kaiser Tiberius mit seiner Armee im Herbst des Jahres 6 n. Chr. die Donau und errichtete ein Winterlager. Vermutlich hatte er annähernd 40.000 Soldaten zu versorgen. Der genaue Standort dieses Winterlagers (castra hiberna) ist bisher nicht eruierbar. Obwohl die Expansionspläne des Kaisers Augustus und seines Stiefsohns und Feldherrn Tiberius nicht weitergeführt werden konnten, blieb eine Legion an diesem Abschnitt der Donau stationiert. Das Gebiet war strategisch äußerst wichtig – denn neben der Kontrolle der Donau und der nördlich anschließenden Marchmündung konnte auch die Handelstätigkeit an der Bernsteinstraße, die von der Ostsee kommend in einer ihrer Routen bei Carnuntum ins römische Reich mündete und bis Aquileia weiterführte, von den Römern kontrolliert werden.

Die legio XV Apollinaris errichtete um 40 n. Chr. ein erstes befestigtes Standlager am Südufer der Donau. Zeitgleich entwickelte sich rund um das Lager und unter Berücksichtigung einer freien Fläche zum Sammeln des Heeres eine aus unregelmäßig angelegten einfachen Behausungen bestehende Lagervorstadt (lat. canabae legionis). Westlich davon wurde seit 80 n. Chr. eine weitere Siedlung – die sogenannte Zivilstadt – errichtet. Diese Siedlung wurde 124 n. Chr. unter Kaiser Hadrian zum municipium Aelium Carnuntum erhoben. In den folgenden Jahrzehnten gelangten große öffentliche Bauten (Forumsanlage mit Curia und Amtsgebäuden, Tempelbauten, Thermenanlagen) zur Errichtung, gemauerte Kanäle verliefen unter den gepflasterten Straßen und Wohnhäuser mit relativ hohem Ausstattungsluxus (Wandmalereien, Mosaiken, Hypokausten) bekundeten den Wohlstand ihrer Bewohner. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den germanischen Stämmen der Markomannen, Quaden und Naristen kam die Blüte jedoch abrupt zum Erliegen. Kaiser Marc Aurel hielt sich mehrmals zwischen 170 und 173 n. Chr. in Carnuntum auf, um mit seiner Armee die Donaugrenze zu verteidigen. Am 9. April 193 n. Chr. wurde der amtierende legatus Augusti pro praetore (Statthalter) – Lucius Septimius Severus – in Carnuntum von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen und schließlich vom Senat in Rom bestätigt. Er begründete die Dynastie der Severer. Carnuntum erreichte umgehend den Rang einer Colonia und war somit ranghöchste Stadt der Provinz Pannonia superior. Die Folge war eine über mehrere Jahrzehnte dauernde intensive Bautätigkeit. Im Verlauf mehrerer Jahrzehnte unruhiger und rasch wechselnder Herrscher (Soldatenkaiser) war Carnuntum wichtiger römischer Stützpunkt am Donaulimes. 259/60 n. Chr. ergriffen Regalianus und seine Frau Dryantilla in Carnuntum die Macht, sie wurden nach wenigen Monaten gestürzt und kamen zu Tode.

Mit Diokletian und seiner umfassenden Reform der politischen und wirtschaftlichen Strukturen des Imperium Romanum folgte für Carnuntum erneut eine Blütezeit. Dies manifestiert sich auch anhand einer hier stattfindenden Kaiserkonferenz, die nach dem Abdanken des Diokletian 305 n. Chr. einberufen werden musste, um seine Nachfolge zu regeln und die im späten Herbst des Jahres 308 n. Chr. unter Nachweis mehrerer Inschriften in Carnuntum tagte.

Nach der Mitte des 4. Jhs. n. Chr. ereignete sich ein mittelschweres Erdbeben in der Region, das durch eine Reihe von Zerstörungsbefunden an mehreren öffentlichen Bauten deutlich belegbar ist. Es steht zu vermuten, dass ein Teil der Carnuntiner Bevölkerung aufgrund der Beschädigungen in der Stadt sowie wegen einer Klimaverschlechterung in Pannonien während dem ausgehenden 4 Jh. n. Chr. abwanderte. Dies ist auch deshalb wahrscheinlich, weil es durch den Beginn der Völkerwanderung immer wieder zu kriegerischen Einbrüchen fremder Völkerschaften am Limes kam. In einigen Teilen der Stadt ist eine Nutzung jedoch bis in die erste Hälfte des 5. Jhs. n. Chr. festzustellen: Einige der ergrabenen Wohnhäuser im Römischen Stadtviertel belegen eine Nutzung ebenso wie das Legionslager, in das sich die zivile Bevölkerung zurückzog. 433 n. Chr. schließlich wurden die pannonischen Provinzen und damit Carnuntum den Hunnen überlassen, die römische Siedlung wurde nicht zerstört, sondern verödete.

 

Belege:
F. Humer, Carnuntum im Jahr 6 n. Chr., in: F. Humer (Hrsg.), Carnuntum. Wiedergeborene Stadt der Kaiser (Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2014) 25-29.

K. Genser, Das erste feste Lager in Carnuntum entsteht, in: F. Humer (Hrsg.), Carnuntum. Wiedergeborene Stadt der Kaiser (Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2014) 29-36.

F. Humer, Eine Stadt entsteht und entwickelt sich rapide, in: F. Humer (Hrsg.), Carnuntum. Wiedergeborene Stadt der Kaiser (Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2014) 36-42.

M. Kandler, Das Ende des antiken Carnuntum, in: F. Humer (Hrsg.), Carnuntum. Wiedergeborene Stadt der Kaiser (Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2014) 54-59.

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