Architekten in der Antike

Der Frühling ist nicht nur in der Römerstadt eine Zeit der regen Bautätigkeit. Wir nehmen das zum Anlass und beschäftigen uns in unserer neuen Serie mit dem Bauwesen der Römerzeit. Im zweiten Teil geht es heute um die Architekten. 

 

Anders als heutzutage, wo Architekten ein Hochschulstudium durchlaufen müssen, wurden Architekten zur Zeit der römischen Kaiser in unterschiedlichen Bereichen ausgebildet. Den Beruf des Architekten (lat. arc(h)itectus) konnten Angehörige verschiedenster Gesellschaftsschichten ergreifen, vom römischen Bürger, bis zum freigelassenen Sklaven. Die Ausbildung war dabei eher heterogen und richtete sich nach dem Ort der Beschäftigung. Das konnte direkt am Kaiserhof, im städtischen Bereich oder auch im Militär sein.

Wie aber arbeitete ein Architekt in der Antike? Wie bereits erwähnt waren Architekten in verschiedensten Anstellungsverhältnissen tätig. Militärarchitekten zum Beispiel gehörten zu den vom normalen Lagerdienst befreiten immunes. Das entband sie vor allem vom Wachdienst und von schweren Arbeiten. Militärische Einheiten wurden bei Bedarf auch zum Bau öffentlicher Gebäude herangezogen.

 

Zeichner und Techniker 

 

Dem eigentlichen Bauprojekt ging ein Entwurf („forma“) voraus, der Grundrisspläne samt Erläuterungen, Modelle und eine Materialbeschreibung für Handwerker umfasste. Von der Funktion also vergleichbar mit unseren heutigen Bauplänen. Details wurden in zusätzlichen Zeichnungen den ausführenden Handwerkern vorgegeben, wovon erhaltene Bauzeichnungen im Maßstab 1:1 auf Wand- und Bodenflächen zeugen.

Das Tätigkeitsspektrum war vielseitig und der römische Architekt war zunehmend mit technischen Herausforderungen konfrontiert, welche neben dem Gebäudebau auch andere Bauaufgaben wie den Straßen-, den Brücken- und den Wasserbau beinhalteten. Der ausführende Architekt blieb dabei weitgehend anonym. Er trat zum Beispiel in den Bauinschriften deutlich zurück, viel wichtiger war hier die Nennung des Auftraggebers und damit auch Financier des Bauwerks.

 

Carnuntum – erbaut von Legionen

 

In Carnuntum finden sich viele Bauinschriften, die nicht den Architekten eines Gebäude nennen, sondern – entweder in großen Bauinschriften oder in schlichten Bauquadern („tabulae ansatae“) – die Legionen oder die Zenturie nennen, die vermutlich einen bestimmten Bauabschnitt, das sogenannte Baulos, ausgeführt hat, sprich hier wird die ausführende militärische Einheit, nicht die planende(n) Einzelperson(en) genannt.

Viel von unserem Wissen über das Bauwesen der Antike, geht dennoch auf einen einzelnen Architekten zurück. Einen Großteil der schriftlichen zeitgenössischen Quellen hat uns Marcus Vitruvius Pollio, besser bekannt als Vitruv, hinterlassen. Vitruv war ein römischer Militärbaumeister, der etwa zur Zeit von Kaiser Augustus lebte. Sein Werk „Vitruvii de architectura libri decem“ [Zehn Bücher über die Architektur] gehört heute zu den bedeutendsten literarischen Werken über die Architektur.

Die Bücher sind eine Zusammenfassung des gesamten bautechnischen Wissens seiner Zeit und waren dem Kaiser Augustus gewidmet. Deren Bedeutung zu Lebzeiten Vitruvs ist heute nicht mehr einwandfrei zu klären, ihre immense Bedeutung erhielten sie erst durch ihre spätere Wiederentdeckung. Den Vitruvs Werke sind heute die einzigen aus der Antike erhaltenen Fachbücher über das Bauen.

Sie wurden im Frühmittelalter wiederentdeckt (eine Abschrift wurde im 8./9. Jahrhundert gefunden), in Folge mehrfach kopiert, und vor allem in der Renaissance erlangten sie große Verbreitung und Berühmtheit. Sie sind heute eine einmalige Quelle, da sie viele der Aspekte aus zeitgenössischer Sicht beleuchten und ein großer Fundus für die Erforschung des antiken Bauwesens sind.

 

 

Teil 1: Baumaterialien in der Antike 

Teil 3: Innenausbau in der Antike

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Vitruv: Zehn Bücher zur Architektur, Reclam.

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