Im dritten Teil unserer Serie zur Ernährung in der Antike beschäftigen wir uns mit der Weinkultur im Römischen Reich.

Ernährung in der Antike: Weinkultur im Römischen Reich

Im dritten Teil unserer Serie zur Ernährung in der Antike beschäftigen wir uns mit der Weinkultur im Römischen Reich. Diese war so vielfältig wie das Reich selbst und hatte oft wenig mit heutigen Klischees zu tun.

 

Geschichte des Weinanbaus

 

Wein wird aus der veredelten Kulturrebe (Vitis vinifera) gewonnen. Der eigentliche Weinbau, also das Verwerten nicht wilder Trauben, geht mit der Sesshaftigkeit des Menschen einher. Erste Belege für diese Verarbeitung gibt es in Kleinasien, von wo der Weinbau dann über Kreta und Griechenland nach Italien gelangt ist.

Über die großgriechischen Kolonien kam die Weinrebe auch nach Spanien, Nordafrika und Südfrankreich. Die Griechen und Etrusker gaben ihre Kenntnisse über den Weinanbau an die Kelten weiter. Es waren somit nicht die Römer, die den Wein nach Carnuntum und in den pannonischen Raum brachten. Belege für den Weinbau in diesem Gebiet gibt es für das erste Jahrtausend v. Chr. und damit lange vor der Ankunft der Römer und der Gründung Carnuntums. 

Anbauungstechnisch unterschied man zwischen dem gestützten und dem nicht gestützten Rebstock. Die nicht gestützte – und somit am Boden entlang kriechende – Rebe war vor allem in heißen Gebieten wie Ägypten, Nordafrika, Asien und Spanien verbreitet. Diese Form wurde aber von vielen Römern abgelehnt, da sie zwar viel, aber keinen guten Ertrag hervorbrachte. Außerdem konnte dieser große Ertrag maßgeblich durch diverse Schädlinge und Kleintiere reduziert werden.

In den anderen Anbaugebieten des Römischen Reiches schätzte man die gestützten Rebstöcke. Viele Weingärten bestanden – wie auch heute in Mittel- und Norditalien üblich – schon aus langen Reihen nebeneinander stehender Spaliere. Diese waren zwischen 4 und 7 Fuß hoch (1,20m bis 2,10m), als Optimum galt eine Höhe von 5 Fuß (1,50m). Besonders gut gegen Frost geschützt war der an Bäumen gezogene Wein (vitus arbustiva), über den die Meinungen stark auseinandergingen. Laut Plinius wurde aus den Trauben von den Wipfeln der Bäume der edelste Wein überhaupt gemacht.

 

Das Wein als omnipräsentes Getränk

 

Für den Römer war Wein ein Grundnahrungsmittel, was sich auch in der Tatsache widerspiegelt, dass der Weinbau der einträglichste Zweig in der Land- und Viehwirtschaft war. Jedoch tranken Römer den Wein in den seltensten Fällen pur, sondern vermischten ihn oftmals mit Wasser. Dies hatte neben dem geschmacklichen oft auch einen praktischen Vorteil: Ähnlich wie beim posca – einer Mischung aus Essig und Wasser, die vor allem bei Legionären sehr beliebt war – hat der Wein auf eventuell verunreinigtes Wasser eine desinfizierende Wirkung. 

Diese war auch den Medizinern bekannt, wie der Wein auch für eine Vielzahl an Erkrankungen verschrieben wurde. Die Palette der Anwendungsgebiete reichte von Magenbeschwerden und Erkältungen bis hin zu Vergiftungen. Dass dabei eine – möglicherweise vom Patienten selbst verordnete – zu hohe Dosis schadhaft sein kann, war den antiken Medizinern sehr wohl bewusst, auch die langfristigen Schädigungen des Körpers und vor allem des Nervenapparates waren bekannt.

 

Gelage und Trinkverhalten

 

Trinkgelage wie man sie aus diversen Filmen und ähnlichen Medien kennt, hat es zwar tatsächlich gegeben, sie waren aber nicht an der Tagesordnung. Der Wein spielte allerdings eine wichtige Rolle. Einer der Teilnehmer wurde zum Trinkerkönig gewählt und bestimmte somit die zu trinkende Menge und das Mischverhältnis des Weins mit Wasser. Diese Gelage konnten dann oft bis in die frühen Morgenstunden dauern und/oder gar in Handgreiflichkeiten enden. Für solche Fälle empfiehlt Plutarch den Einsatz von Musikern, um die Gemüter zu beruhigen.

Für Frauen galt während der Zeit der Republik ein allgemeines Weinverbot, worauf zumindest offiziell schwere Strafen standen. Wie konsequent dieses Verbot eingehalten wurde, lässt sich allerdings kaum überprüfen. Spätestens zum Ende der Republik war dieses Verbot de facto aufgehoben. In der Kaiserzeit war dann ein maßvolles Weintrinken von Frauen gesellschaftlich akzeptiert. Einzig ein übermäßiger Konsum war gesellschaftlich (bzw. von Männern) geächtet, da die Befürchtung vorherrschte, dass damit eine gewisse (sexuelle) Enthemmung einhergehe. Etwas, dass vielleicht mehr über die Verurteilenden sagt, als über die Verurteilten. 

 

Noch mehr zu den Römern? Hier geht es zu unserer Serie über das antike Bauwesen!

 

Literatur: 

Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike (DNP). Hrsg. von Hubert Cancik. Metzler, Stuttgart, 1996–2010.


Alltag im Alten Rom. Das Leben in der Stadt. Karl-Wilhelm Weeber, Patmos Verlag, Düsseldorf und Zürich, 3. Auflage 2006.


Das Römische Gastmahl. Eine Kulturgeschichte. Elke Stein-Hölkeskamp, Verlag C.H.Beck, München, 2005.


Die Weinkultur der Römer. Elke Stein-Hölkeskamp, Patmos Verlag, verbesserte Auflage, Düsseldorf, 2005.

 

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