Die römischen Steindenkmäler von Carnuntum

Mit seinen weit über 2000 bekannten Skulpturen, Inschrift- und Reliefsteinen aus der Römerzeit ist Carnuntum einer der reichhaltigsten Fundplätze für diese Denkmälergattung in den nördlichen Provinzen des Römischen Reiches.

Steindenkmäler gehören auf dem Gebiet der ehemaligen Römerstadt Carnuntum zu den zahlreichsten und wichtigsten Funden. In den vergangenen Jahren fand einhergehend mit einer Übersiedlung und Zusammenführung von Funden in die Depoträumlichkeiten der Kulturfabrik Hainburg eine Neuinventarisierung statt. Dadurch konnte in einer Kooperation der Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien mit einer wissenschaftlichen Neubearbeitung der Denkmäler begonnen werden.

 

Besondere Wichtigkeit kommt hier der Mitarbeit am CSIR zu. Dieses Corpus Signorum Imperii Romani (abgekürzt CSIR, dtsch. = „Corpus der Skulpturen der römischen Welt“) ist ein 1963 gegründetes archäologisches Forschungsprojekt zur Erfassung und Veröffentlichungen römischer Skulpturen. Die Veröffentlichungen des CSIR erscheinen in unregelmäßigen Abständen seit 1964. Ziel ist die wissenschaftliche Erfassung und Veröffentlichung von römischen Statuen und Reliefs nach einheitlichen Vorgaben.

Im Rahmen des CSIR wurden in Carnuntum weit über 700 Götter-, Kult- und Weihedenkmäler dokumentiert und kontextuell ausgewertet. Durch die Verortung der Fundstellen bilden sie den Grundstein für die „sakrale Topografie“ des Siedlungsgebietes der Römerstadt. Die Aufbereitung weiterer Fundgruppen befindet sich in Vorbereitung.

Die Bestimmung und Herkunft der in der Antike verwendeten Gesteinstypen im Raum von Carnuntum bis Vindobona steht im Mittelpunkt eines interdisziplinären Kooperationsprojektes. Die Analyse der verwendeten Steine und der Vergleich mit den im entsprechenden Gebiet entnommenen Gesteinsproben führt zur Eingrenzung von geologisch definierten Abbauregionen. Das Material der Steindenkmäler Carnuntums scheint hauptsächlich aus dem Leithagebiet und dem Westrand des Wiener Beckens zu kommen. Die Auswertung der Ergebnisse erlaubt auch Rückschlüsse auf die Wirtschafts- und Transportgeschichte, sowie auf Organisation und Entwicklung der Steinmetzwerkstätten im Carnuntiner Raum.

 

Die Steindenkmäler selbst waren in römischer Zeit übrigens vorwiegend bunt. Das ursprünglich farbige Erscheinungsbild der antiken Denkmäler soll durch das Ergebnis neuer Untersuchungsmethoden verstärkt ins allgemeine Bewusstsein gerückt werden. In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt wurden daher etwa Pigmentuntersuchungen an den Steindenkmälern von Carnuntum vorgenommen. Ziel ist es, die Polychromie der Darstellungen erfahrbar zu machen und zusätzlichen Aufschluss über Fragen der Rohstoffverwendung zu gewinnen.

Vom 16. bis 21. Mai 2022 wird die 17. Internationale Tagung zum Provinzialrömischen Kunstschaffen (CRPA) „Zeit(en) des Umbruchs“ in Wien und Carnuntum stattfinden.

 

 

Links :

IKAnt: https://www.oeaw.ac.at/antike/das-institut/mission-statement/

CSIR: https://www.oeaw.ac.at/antike/forschung/monumenta-antiqua/religion-und-gesellschaft/csir/

CRPA-Tagung: https://crpa-xvii.univie.ac.at/

 

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