Municipium Aelium Karnuntum

Carnuntum bestand aus mehreren Siedlungsbereichen – dem Legionslager, der dieses umgebenden militärischen Siedlung (canabae legionis) und der sogenannten Zivilstadt, die sich außerhalb der militärischen Zone von 2,2 km (einer keltischen Leuga) vom Legionslager aus gegen Westen entwickelte. Sie umfasste eine geschätzte Fläche von ca. 67 ha und war von einer Stadtmauer umgeben. Hier lebten römische Bürger, die Grund und Boden besitzen und Handel betreiben wollten, ohne unter militärischem Kommando stehen zu müssen. Vor allem für jene, die von der hier in das Imperium Romanum mündenden Bernsteinstraße profitieren wollten, war Carnuntum ein sehr lukrativer Standort. Die Siedlung ist seit dem ausgehenden 1. Jh. n. Chr. fassbar und erhielt unter Kaiser Hadrian den Municipalstatus. Die nun offiziell als Municipium Aelium Karnuntum bezeichnete Stadt besaß ein Forum (städtischer und merkantiler Mittelpunkt der Stadt), mehrere Tempel, einen Stadtsenat (curia), das Stadtarchiv, Schreibbüros sowie mehrere Thermenbauten (z.B. die als Palastruine bezeichneten Forumsthermen oder die sog. Zivilstadtthermen, die im heutigen Römischen Stadtviertel wiedererrichtet wurden). Die belebte Hauptstraße war eine Fortsetzung der Limesstrasse und führte in Ost-West Richtung durch die Stadt. 

Dicht besiedelte insulae sowie rechtwinklig aufeinander ausgerichtete befestigte Straßen rundeten den städtischen Charakter der Siedlung ab. Nach der Erhebung Carnuntums zur colonia im Jahr 194 n.Chr. wurde die Stadt auch baulich aufgewertet. Nun war sie mit einer Stadtmauer umgeben, mehrere luxuriöse private und öffentliche Bauten gaben der Siedlung hauptstädtischen Charakter. Die Wohnhäuser lagen dicht aneinander gebaut und besaßen teilweise reich gestaltete Gärten, einige der Straßen waren von Portiken flankiert. Luxuriöse Ausstattung in privaten Wohnbauten und den öffentlichen Gebäuden der Stadt ist häufig feststellbar. In Carnuntum lohnte es sich zu leben.

Wie jede römische Stadt, besaß auch Carnuntum Versammlungsbauten in Form von Amphitheatern. Das Amphitheater der Zivilstadt lag außerhalb des städtischen Siedlungsgebietes Richtung Südwesten und bot 13.000 Personen Platz. Die Errichtung des Amphitheaters wird neuen Forschungen zufolge in die Zeit des Hadrian datiert, also in die erste Hälfte des 2. Jhs. n.Chr. In unmittelbarer Nähe zum Amphitheater konnte mithilfe von Bodenmessungen im Jahr 2011 eine Gladiatorenschule lokalisiert werden. Dieser Befund ist als besondere Sensation zu werten.

 

Belege:
F. Humer – A. Konecny, Die Zivilstadt (municipium und colonia), in: F. Humer (Hrg.), Carnuntum. Wiedergeborene Stadt der Kaiser, Philipp von Zabern (2014) 78-87.

E. Pollhammer, Die Architektur und Bauornamentik, in: Humer 2014, 98-101

F. Humer, Wie sahen die Carnuntiner Privathäuser innen aus? In: Humer 2014, 102-107

F. Humer, Carnuntum. Ein römisches Wohnhaus der Spätantike in Carnuntum (2009).

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