Spieglein, Spieglein an der Hand…

...wer ist die Schönste im ganzen ganzen Land? Schönheit und Reinlichkeit waren auch schon in der Antike wichtige Themen. Der Verein Gentes Danubii erklärt: Kosmetik bei den Römern

Im Verein Gentes Danubii finden sich die verschiedensten Menschen, die sich für die antiken Kulturen begeistern. Wir wollen diese Kulturen aber nicht nur theoretisch verstehen, sondern auch lebendig werden lassen. Unter dem Begriff "Living History“ oder „lebendige Geschichtsdarstellung", bringen wir dem interessierten Publikum das Leben und Handwerk von der frühen Hallstattkultur bis zur Spätantike näher. Wir sind ein „Verein zum Anfassen“ und wer Interesse hat, kann gerne bei und mit uns die Antike erleben.

Neben der Darstellung von Legionären der frühen Kaiserzeit sowie Soldaten der Spätantike und eines Militärarztes, der sein medizinisches Fachwissen gerne mit jeder/jedem Interessierten teilt, zeigen wir auch das zivile Leben am Donaulimes in diesen beiden Epochen. Einheimische Männer und Frauen, aber auch Germanen von jenseits der Donau, schlendern durch die Straßen, wickeln ihre Geschäfte ab und erwehren sich eines Bettlers. Römische Feuerwehrleute passen auf, dass alle Vorkehrungen getroffen wurden, um Bränden vorzubeugen oder sind zur Stelle um ein Feuer zu löschen. Ein Steinmetz zeigt sein Können und die frisch gefärbte Wolle des Färberehepaares leuchtet bunt in allen Farben des Regenbogens. Exotische Waren aus dem Mittelmeerraum und dem Indischen Ozean werden von einem Händler einer potentiellen Kundschaft angeboten und um den Stand der Kosmetikerin drängelt sich nicht nur die Damenwelt, sondern auch der gepflegte Mann. Bei ihr informiert sich die „High Society“ über die derzeitigen Trendfrisuren am kaiserlichen Hof und über die Neuigkeiten und Trends bei Schminke, Make-up & Co in der Hauptstadt. Manchmal kehrt eine erfolgreiche Jagdgesellschaft aus den Auwäldern des Danuvius zurück. Wir zeigen aber auch eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit, den Sklavenhändler mit seiner „Ware“.

Wer wirklich der/die Schönste im Römischen Reich nach der Zeitenwende war, darüber würden sich die römischen Schriftsteller wahrscheinlich heute noch streiten. Sicher ist aber, dass den Römern nicht nur Sauberkeit sehr wichtig war. Die Menschen wollten auch schön und gepflegt sein, und dafür taten sie fast alles.

 


Kosmetik
Kosmetik

 

Ab dem 1. Jahrhundert n.Chr. entstand im gesamten römischen Reich ein Netzwerk großzügig angelegter Thermen mit mehreren Badehallen, Ruhebereichen und Begegnungszonen. Mit einer breiten Palette an Zusatzleistungen der Körperpflege und Schönheit und einem reichhaltigen Gastronomieangebot wurden außerdem aus den neuen römischen Thermen echte Spa- und Wellnesstempel, in denen es sich gut einen ganzen Tag verbringen ließ. Dort konnten auch Badeöle, Hautcremen und Parfumöle erworben werden.

Gebadet wurde zumeist einmal in der Woche, wobei Männer von Frauen getrennt waren. Wo das nicht möglich war, gab es eigene Badezeiten für die Damen. Dazu kamen tägliche Reinigungen der Arme und Beine, das Waschen des Gesichts und das Ausspülen des Mundes.

Danach ging es an die dekorative Kosmetik. Dafür stand ein schier unüberschaubares Spektrum von mehr oder weniger gesunden und wirkungsvollen Mitteln für Frauen wie Männer zur Verfügung.

Die gute Nachricht: Schönheitsprodukte gab es für wirklich jeden Geldbeutel. Manche Zutaten sind sogar bis heute Bestandteil der Kosmetik. Die schlechte Nachricht: Da wäre ein Beipackzettel sehr hilfreich gewesen. Denn es gab auch sehr ungesunde und giftige Inhaltsstoffe, wie Bleiweiß im bleichenden Make-up.

Genauso gerne wurden auch Haare gefärbt. Blond stand dabei hoch im Kurs. Wer sich das Haar germanischer Sklavinnen nicht leisten konnte, musste auf so profane Dinge wie Ziegenurin zum Bleichen zurückgreifen. Dass Eitelkeit auch ganz schön nach hinten los gehen kann, erzählt uns Properz, der in Lästermaul-Manier über seine Freundin Cynthia lachte. Die hatte es mit dem Ziegenurin offensichtlich so übertrieben, dass sie ihre Haare verlor und sich deshalb lange Zeit nur mit Kopftuch zeigte.

Sauber, bunt bemalt und… wohlriechend. Parfums waren aus dem römischen Schönheitsspektakel genauso wenig wegzudenken. Wie in der Kosmetik übertrieben es viele MitbürgerInnen auch mit den Düften so heftig, dass Klagen über – im wahrsten Sinne des Wortes – atemberaubende Duftwolken nicht lange auf sich warten ließen. So ein Auftreten wirkte so unseriös, dass davon abgeraten wurde, mit überparfümierten Mitmenschen Geschäfte abzuschließen. Denn wer so mit Parfum übertüncht war, stand im Verdacht, etwas verbergen zu wollen.

Mehr Geheimnisse rund um die römische Schönheitspflege und Kosmetik werden gerne gelüftet. Bei Gentes Danubii bleibt nichts verborgen, auch nicht die römischen Tricks, um der Natur ein wenig nachzuhelfen. Erfahren Sie mehr darüber, wie Männer und Frauen der Eitelkeit frönten und werfen Sie einen Blick auf den reich bestückten Kosmetiktisch einer wohlhabenden Römerin. Die können Sie auch beim Zubereiten einiger Originalpräparate beobachten. Vielleicht wird Ihnen sogar das eine oder andere Schönheitsgeheimnis verraten – natürlich nur solche für echtes Wohlbefinden.

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