In unserer neuen Serie gehen wir auf prominente Personen der Antike ein und beschäftigen uns mit Ihrem Schicksal, nachdem Sie Weltgeschichte schrieben.

Was wurde aus… Pontius Pilatus?

In unserer neuen Serie gehen wir auf prominente Personen der Antike ein und beschäftigen uns mit Ihrem Schicksal, nachdem Sie Weltgeschichte schrieben.

Er galt Christen als grausamer Verfolger, auf dessen Veranlassung hin Jesus von Nazareth zum Kreuzestod verurteilt und hingerichtet wurde, wenngleich wohl versucht wurde seine Rolle mit der Zeit abzuschwächen, da die christliche Missionierung nach Paulus vor allem auf Römer und Griechen ausgerichtet war.

Zu bedenken ist außerdem, dass die Quellen zu seiner Amtsführung ausschließlich von seinen Gegnern stammen. Aber auch die jüdische Bevölkerung des Protektorats Judäa war ihm aufgrund seiner uneinsichtigen Haltung den religiösen Bedürfnissen der Bewohner Judäas und vor allem Jerusalems gegenüber überwiegend feindlich gesonnen.

Eher korrupt als gottlos

Pontius Pilatus war aus dem römischen Ritterstand (ordo equester) und amtierte von 26-36/37 n.Chr. in Judäa, das damals noch einen Teil der Provinz Syria bildete und daher als Protektorat keinen eigenen Provinzstatus hatte. Pilatus als Statthalter oder griechisch hegemon (Tac. Ann. 15,44,4; Mt. 27,2) zu bezeichnen, ist also nicht korrekt. Er war durch den Prätorianerpräfekt Seianus eingesetzt worden, der belegt judenfeindlich war.

Im Sommer 36 n.Chr. ging Pontius Pilatus mit äußerster Brutalität gegen die Einwohner Samarias vor. Er wurde daraufhin von seinem Vorgesetzten, dem Statthalter von Syria L. Vitellius (dem Vater des späteren Kaisers) abberufen und nach Rom geschickt. Unter anderem wurde ihm in der Anklage vorgeworfen, sich am Tempelschatz bereichert zu haben und auf Staatskosten eine Wasserleitung zu seinem privaten Haus gelegt zu haben. Philo von Alexandria spricht von Bestechung, Gewalttätigkeit, Zügellosigkeit, Raub und anderen schweren Vergehen.

Von der Geschichte schwer fassbar

Dass Pontius Pilatus sich vor Tiberius rechtfertigen musste und ihm durch diesen Kaiser auch die Hinrichtung Jesus von Nazareths vorgeworfen wurde, ist unmöglich. Denn Tiberius war bereits verstorben, als Pontius Pilatus in Rom eintraf. Ob Eusebius‘ Angabe, Pontius Pilatus sei von Caligula im Jahr 39 n.Chr. zum Selbstmord gezwungen worden, glaubwürdig ist, kann bezweifelt werden. Einige Quellen geben an, er sei nach Vienne verbannt worden und dort wenige Jahre nach seiner Verurteilung verstorben.

Zusammengefasst erging es Pilatus nach seinem Gastspiel im Nahen Osten nicht sehr gut, sei es nun durch Degradierung, Verbannung oder (erzwungenem) Selbstmord. Dies hatte aber nichts mit der Verurteilung von Jesus von Nazareth zu tun, sondern eher mit den Korruptions-Anschuldigungen gegen seine Person. Weswegen wir auch wenig über seinen weiteren Verbleib wissen bzw. über sein Leben vor den bedeutenden Tagen in Judäa. Er erschien seinen Zeitgenossen schlicht nicht wichtig genug, um sein Schicksal zu dokumentieren.

Geflügelte Worte

Berühmt wurde Pilatus dann posthum dennoch. Neben seiner Erwähnung im Neuen Testament der Christen fand er Eingang in diverse Redewendungen in dutzend Sprachen. Im Deutschen spricht man davon sich „die Hände in Unschuld zu waschen“ (Mt. 27,24), wenn man die Verantwortung für eine Aussage oder eine Handlung nicht übernehmen möchte. Denn Pilatus wusch nach der Urteilssprechung seine Hände. Dies ist jedoch als ein zeitgemäßes Reinigungsritual der Gerichtsbarkeit belegt.
Weiters wird der Ausspruch „Seht da, ein Mensch!“ oder ecce homo (Joh. 19,5) ihm zugeschrieben, als er den gegeißeltne und die Dornenkrone tragenden Jesus dem Volk vorführen ließ. (Joh. 19,5). Damit ging er auf die Aussage ein, Jesus sei der König der Juden – INRI (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum).

Von Pontius zu Pilatus (Lk 23,7–12) wird jemand geschickt, der unnötige Wege absolvieren muss. Denn Pontius Pilatus fühlte sich nicht zuständig und schickte Jesus von Nazaret zum Tetrarchen Herodes Antipas. Dieser verhörte Jesus und schickte ihn anschließend wiederum zu Pontius Pilatus zurück, wo er schließlich auch endgültig verurteilt wurde. Und letztlich wurde es bei Pilatus noch philosophisch, als er Jesus angeblich fragte „Was ist Wahrheit?“ („Quid est veritas?“), was sich wunderbar auch auf den Großteil seines Lebens anwenden lässt.

News aus der Wissenschaft

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden