Polychromie - Farbe für die Vergangenheit

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Als Polychromie (Vielfarbigkeit) wird die in Malerei, Kunsthandwerk, Skulptur und Baukunst angewendete farbige Gestaltung bezeichnet. Im Kontext antiker Bauwerke und Statuen bezieht sich der Ausdruck vor allem auf die damalige Farbigkeit, die ein breites Forschungsfeld eröffnet. 

Antike Statuen und Bauwerke waren nicht „klassisch“ weiß, sondern meist bunt bemalt, das rohe Material überstand die Jahrhunderte allerdings besser als die aufgetragene Farbe. Wissenschaftlich ist das – trotz einiger Kontroversen im 19. Jahrhundert – mittlerweile unumstritten.

Aber diese Zeit ("Klassizismus") und Darstellungen in Gemälden, Filmen und Ähnlichem prägten ein Antikenbild, das heute noch nachhallt . Ein gutes Beispiel dafür wäre unter anderem die Pallas Athene vor dem österreichischen Parlament. 

Das Projekt

Polychromie wurde in der Forschung bisher fast ausschließlich mit Skulpturen und Architektur des Mittelmeerraums in Verbindung gebracht. Nun sollen im Forschungsprojekt „Polychromon“ des Österreichischen Archäologischen Instituts und der Akademie der Wissenschaften neue Erkenntnisse zur Farbigkeit antiker Steindenkmäler am Donaulimes gewonnen werden. Die untersuchten Objekte stammen aus Carnuntum und seinem Hinterland und werden im Museum Carnuntinum sowie dem Kunsthistorischen Museum Wien aufbewahrt, haben also ganz starken Bezug zum „römischen Österreich“. 

Neben einer Bestandsaufnahme wird die Materialität der verwendeten Pigmente und Bindemittel untersucht. Aber auch zu der in der Antike angewandte Maltechnik sowie der Interpretation und - sofern möglich - Rekonstruktion der bemalten Oberflächen werden neue Aufschlüsse erwartet. Die Visualisierung und Vermittlung von Farbigkeit sowie ihre Wirkung auf den Betrachter stehen dabei zentral im Mittelpunkt. Die Resultate können in weiterer Folge ganz gezielt bei der Konservierung und Restaurierung von Monumenten mit polychromer Fassung eingesetzt werden.

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Welche Methoden werden verwendet?

Überwiegend sind die verwendeten Techniken nicht-invasiv, also, ohne Probenentnahmen möglich. Nach einer optischen Autopsie wird eine umfangreiche Multispektralanalyse durchgeführt, die über das verwendete Material und seine Herkunft Aufschluss gibt und sowohl kleinste Pigmente als auch moderne Retuschen und Ergänzungen sichtbar macht. 

Mit Makro-Fotographie und einem portablen Spektrometer werden chemische Zusammensetzungen der verwendeten Materialien bestimmt. Sodann wird unter anderem ein Röntgendiffraktometer eingesetzt, der Pigmentphasen und ihre Alterationsprodukte aufzeigt. Sofern möglich werden schließlich kleinste Proben unter dem Mikroskop untersucht sowie mithilfe von Gaschromatographie und Massenspektrometrie organische Bindemittel angezeigt.

Eine Servus-TV Dokumentation hat sich unter dem Titel „Bunte Antike?“ dem Thema Polychromie ausführlich angenommen. Die Dokumentation ist in der TV-Thek von Servus TV zu sehen. Den Link finden Sie hier.

Sie wollen noch mehr zur Polychromie erfahren? Hier finden Sie Teil II unseres Berichts zur Polychromie.

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