Wie werfen einen Blick auf den römischen Kalender und wollen erläutern, warum es heute noch sprichwörtlich ist, sich davor zu hüten.

Die Iden des März – mehr als eine Datumsangabe

Per se waren die Iden (wie auch die Kalenden, die Nonen und die Terminalien) lediglich fixierte Tage im Monatsablauf, von denen entweder vor oder zurück gerechnet wurde, um ein Datum anzugeben. Beim Idus handelt es sich um einen Tag im römischen Kalender rund um die Monatsmitte. Im März, Mai, Juli und Oktober fielen die Iden genau auf den 15. des Monats.

Zu weit größerer Bedeutung, so dass sich selbst heute noch angeblich manche Vorgesetzten vor Mitarbeitergesprächen Mitte März zieren, gerieten die Iden durch ein unheilvolles historisches Ereignis. An diesem Tag im Jahre 44 v.Chr. wurde Gaius Iulius Caesar von einer Gruppe von rund 60 Senatoren, angeführt von Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus durch 23 Dolchstiche im Theater des Pompeius ermordet, während er an einer Senatssitzung teilnehmen wollte.

Wirklichkeit und Legende

Wie viele historische Ereignisse dieser Größenordnung ist der Mord heute von vielen Legenden und Anekdoten umgeben, seien sie durch Zeitgenossen oder Adaptionen des Stoffes entstanden. Möchte man Sueton (Div. Iul. 82,1) glauben, so warnte der Haruspex (Priester) Spurinna nach einer Eingeweideschau den Diktator bereits beinahe einen Monat vor den Iden des März, ihm drohe Unheil, das nicht über die Iden des März hinweg auf sich warten lassen würde. Caesar traf Spurinna noch am Morgen seines Todes und spottete, dass die Iden des März ja nun da seien. Spurinna antwortet darauf, sie seien zwar da, aber sie seien noch nicht vorüber!


Auch Caesars Ehefrau Calpurnia riet ihm angeblich wegen eines Alptraums, der Senatssitzung fern zu bleiben. Doch im März wurden traditionellerweise die neuen Konsuln gewählt und Caesar konnte dieser wichtigen Sitzung nicht fernbleiben. Marcus Tullius Cicero, ein politischer Gegner, war in die Verschwörung der Caesarenmörder zwar nicht verwickelt, jedoch bei der Tat anwesend. Er schrieb später an seinen Freund Atticus, es sei eine gerechte Strafe für einen Tyrannen gewesen (Cic. Ad Att. 14, 14, 4). Der berühmte Ausspruch kai su teknon  („Auch du, mein Sohn“ – an Marcus Iunius Brutus gerichtet) dürfte aufgrund der massiven Verletzungen nicht mehr gefallen sein.

Vorgeschichte und Nachwirkungen

Gründe für die Tat gäbe es viele zu nennen. Am häufigsten ist die Verleihung des nicht konformen Titels Dictator perpetuo (Diktator auf Lebenszeit) an Caesar zwischen 9 und 14 Februar 44 v. Chr. sowie sein Auftritt in alter Königstracht am Lupercalienfest vom 15 Februar 44 v.Chr.  zu nennen. Beides wurde als das Streben nach Königswürde und der Schaffung einer Monarchie gedeutet.

Die Caesarenmörder sahen sich als die Bewahrer der Republik. Keiner von ihnen lebte länger als drei Jahre nach dem Attentat und keiner von ihnen starb eines natürlichen Todes. Das Römische Reich wurde nach den Unruhen rund um Caesars Tod übrigens zu einem Kaiserreich, dessen Titel „Caesar“ für immer in direktem Bezug zu Gaius Iulius Caesar blieb und sich auch heute noch in vielen Sprachen – etwa auch im deutschen Wort „Kaiser“ – in abgewandelter Form wiederfindet.

 

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