Luftbild der Ausgrabungsstätte des Brückenkopfkastells mit Wasserflächen und Vegetation.

Aktuelle Forschungen in Carnuntum

© H. Wraunek, Land NÖ

In Carnuntum wird weiter Geschichte geschrieben: Aktuelle Forschungsprojekte der Landessammlungen Niederösterreich, des Österreichischen Archäologischen Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der TU Wien sowie weiterer Partner eröffnen laufend neue Perspektiven auf die antiken Hinterlassenschaften und die historische Siedlungslandschaft.

Image based modelling eines Originalfundes
© Harald Wraunek

Das Land Niederösterreich und die Donau-Universität Krems kooperieren über das Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften bereits seit Längerem in verschiedenen Bereichen der Sammlungsdokumentation, Sammlungspflege sowie der sammlungsbezogenen Forschung. Im Rahmen des Förderprogramms „Kulturerbe digital“ des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport wird seit 2024 ein Projekt mit Schwerpunkt auf der 3D-Digitalisierung im Sammlungsbereich Archäologie durchgeführt. Durch die Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems sollen insbesondere die Kapazitäten im Bereich der 3D-Digitalisierung sowie der Aufbereitung der generierten 3D-Objektdaten gezielt erweitert werden.

Szene aus dem VR Video Carnuntum Experience, mit dem Heidentor im Sonnenuntergang
© 7reasons

Mit der EU-Kampagne Twin It! 3D setzen die Kulturministerien der Mitgliedsstaaten gemeinsam mit ausgewählten nationalen Kultureinrichtungen ein Zeichen für die 3D-Digitalisierung von europäischen Kulturdenkmälern. Sie soll dazu beitragen, das europäische Kulturerbe mit der Erstellung von 3D-Modelle besser zu erfassen und für die nachfolgenden Generationen zu sichern. In jedem EU-Mitgliedsstaat wurden denkmalgeschützte Objekte für eine dreidimensionale Digitalisierung gesucht, die repräsentativ für das Kulturerbe des jeweiligen Staates sind. 

Für den österreichischen Beitrag wurde im Zuge eines Förderwettbewerbs des BMKÖS das Heidentor in Petronell-Carnuntum zur 3D-Digitalisierung ausgewählt, das sich im niederösterreichischen Landeseigentum befindet und von der Abt. Kunst und Kultur, Außenstelle Carnuntum betreut wird. Für das Projekt werden vier 3D-Modelle des Heidentors präsentiert: ein Modell des heutigen Zustandes, ein rekonstruiertes vom Zeitpunkt der Errichtung in römischer Zeit sowie zwei weitere Modelle historischer Epochen, die den Verfall und erste Restaurierungsmaßnahmen dokumentieren.

Archäometrische Untersuchungen an Steinobjekten aus dem AMC, zwei Forscher scannen die Oberflächen
© RSV

Während die nachgewiesene Farbigkeit antiker Steinmonumente im Mittelmeerraum zunehmend in das allgemeine Bewusstsein gedrungen ist, liegen erst wenige Daten über die Situation in den römischen Provinzen vor. Dieses Projekt zielt daher auf eine umfangreiche Untersuchung der Polychromie römerzeitlicher Steinartefakte (vornehmlich Skulpturen und Architekturelemente) im norisch-pannonischen Raum ab. In interdisziplinärer Zusammenarbeit sollen Aspekte wie Polychromie als Gestaltungsmittel, antike Farbsymbolik oder der Einsatz verschiedener Maltechniken untersucht werden. Ein spezieller Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf Objekten des Mithras-Kultes aus Carnuntum und dem Wiener Becken und der Bedeutung von Farbe im religiösen und rituellen Zusammenhang.

Karte Carnuntums mit Projektdaten zum LEGION-Projekt, KI-generiert
© D. Hagmann

Das Projekt LEGION entwickelt eine KI-gestützte Methode zur automatisierten Bestimmung römischer Gebrauchskeramik aus Carnuntum. Grundlage sind rund 70.000 Profilzeichnungen mit archäologischen Metadaten zu Form, Herstellung, Verzierung, Chronologie und Fragmenttyp. Durch maschinelles Lernen, erklärbare KI und fachliche Kontrolle soll die Auswertung schneller, nachvollziehbarer und reproduzierbarer werden. Zugleich ermöglicht LEGION neue Analysen zu Produktion, Verbreitung und Nutzung römischer Keramik sowie zur Entwicklung der Siedlungslandschaft Carnuntums.

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