Wissenschaft

Grenzen überwinden, Geschichte verbinden: Das Projekt ROMAN LEGACY

Ein Beitrag von Nisa Iduna Kirchengast - Redaktion: Thomas Mauerhofer, Anna-Maria Grohs
Das Heidentor in Petronell-Carnuntum

Seit über 2.000 Jahren verbindet die Donau Menschen, Waren, Ideen und Kulturen. In der Antike war sie Grenze und Verkehrsweg zugleich, militärische Sicherungslinie und Lebensader eines riesigen Reiches. Heute verbindet sie erneut: Fundorte, Museen, Forschungseinrichtungen, Tourismusregionen und Menschen, die das römische Erbe Europas bewahren und vermitteln.

Genau hier setzt das EU-geförderte Interreg-Projekt ROMAN LEGACY an. Seit rund einem Jahr arbeiten Partner aus der gesamten Donauregion daran, die römische Vergangenheit entlang des Donaulimes stärker sichtbar zu machen, besser zu vernetzen und für ein breites Publikum neu erfahrbar zu machen. Das Ziel ist groß, aber klar: Aus vielen einzelnen Orten, Geschichten und Initiativen soll eine gemeinsame Kulturroute entlang der Donau entstehen.

Logo des Danube Interreg Projekts, dass von der Europäischen Union mitgefördert wird
© Interreg Danube Region

Der Donaulimes als europäische Kulturlandschaft

Der Donaulimes ist eines der eindrucksvollsten archäologischen Kulturdenkmäler Europas. Über rund 2.400 Kilometer erstreckt er sich von Süddeutschland bis zum Schwarzen Meer. Kastelle, Städte, Straßen, Häfen, Heiligtümer, Gräberfelder und Siedlungen erzählen von einer Welt, die nicht an heutigen Staatsgrenzen endete. Was heute auf viele Länder verteilt ist, gehörte in römischer Zeit zu einem zusammenhängenden Raum. Das ROMAN LEGACY Projekt versucht diesen Zusammenhang wieder sichtbar.

Dabei geht es nicht nur um große Monumente und bekannte Ausgrabungsstätten. Das Projekt fragt auch danach, wie Menschen in den römischen Donauprovinzen lebten, arbeiteten, handelten und reisten. Die Donau war keine starre Trennlinie zwischen „Rom“ und „Barbaricum“, sondern ein dynamischer Kontakt- und Kommunikationsraum. Militär, Handel, Migration, Handwerk, Religion und Alltagsleben griffen hier ineinander. Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Donaulimes bis heute so faszinierend.

Luftbildaufnahme der Häuser des Römischen Stadtviertels. Es sind Häuser aus Stein mit roten Dächern umringt von grüner Wiese.
© RSV

Blick über das Römische Stadtviertel im Freilichtareal der Römerstadt Carnuntum  - © T. Mauerhofer 

Carnuntum als zentraler Knotenpunkt

Carnuntum spielt in diesem europäischen Netzwerk eine besondere Rolle. Die Römerstadt ist einer der wichtigsten archäologischen Ankerpunkte am westlichen Donaulimes und seit 2021 Teil des UNESCO-Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches – Donaulimes“. Mit ihrem rekonstruierten römischen Stadtviertel, den Amphitheatern, dem Heidentor und dem Museum Carnuntinum verbindet sie Forschung, Denkmalpflege und Vermittlung in außergewöhnlicher Weise. Carnuntum zeigt nicht nur römische Geschichte, sondern macht sie räumlich und mit allen Sinnen erfahrbar.

Diese Erfahrung bringt die Römerstadt Carnuntum auch in ROMAN LEGACY ein. Das Projekt integriert dieses Know-how in der Entwicklung digitaler Angebote, im Storytelling und in der touristischen Präsentation archäologischer Landschaften. Zugleich wird Carnuntum Teil einer größeren europäischen Erzählung: Die Geschichte der Stadt erscheint nicht isoliert, sondern als Knotenpunkt eines Netzes, das einst von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer, von der Bernsteinstraße bis zur Donau reichte.

Screenshot des Online Meetings des Roman Legacy Projektes, Porträtfotos und Image Bild
© UWK

Projekt-Partner Meeting des Roman Legacy Netzwerks - © Römerstadt Carnuntum 

Von einzelnen Orten zur gemeinsamen Route

Ein zentraler Gedanke von ROMAN LEGACY ist die Entwicklung einer gemeinsamen Kulturroute. Sie soll die wichtigsten römischen Orte entlang der Donau verbinden und langfristig als Kulturroute des Europarates zertifiziert werden. Damit würde der Donaulimes nicht nur als archäologisches Denkmal, sondern als lebendiger europäischer Kulturraum stärker ins Bewusstsein rücken.

Das Projekt arbeitet dafür auf mehreren Ebenen. Es vernetzt Fachleute, Museen, Gemeinden, Tourismusorganisationen und politische Entscheidungsträger. Es entwickelt gemeinsame Grundlagen für Vermittlung und Präsentation. Es sammelt vorhandenes Wissen, führt frühere EU-Projekte zusammen und baut auf deren Ergebnissen auf. Dazu kommen konkrete Angebote für Besucher:innen: digitale Anwendungen, mobile Guides, virtuelle und erweiterte Realitäten, Themenwege, Veranstaltungen, Informationsmaterialien und neue Formate für unterschiedliche Zielgruppen.

    Impressionen von Events im Zuge des Roman Legacy Projektes - © Römerstadt Carnuntum 

    Mehr als eine Linie auf der Karte

    Besonders wichtig ist dabei der Blick über die eigentliche Limeslinie hinaus. Denn die römischen Militärlager und Städte entlang der Donau konnten nur funktionieren, weil sie von ihrem Hinterland versorgt wurden. Landwirtschaftliche Betriebe, kleinere Siedlungen, Verkehrswege, Produktionsstätten und regionale Märkte waren Teil desselben Systems. ROMAN LEGACY versteht den Donaulimes daher nicht nur als Linie auf der Karte, sondern als historische Landschaft.

    Diese Übersichtskarte zeigt den Verlauf des Donaulimes zwischen dem heutigen Passau und Carnuntum und enthält eingezeichnete Siedlungen, Legionslager, Burgen und Lager.
    © RSC (c) 7reasons

    Österreichischer Abschnitt des Donaulimes mit Grenz-Standorten - © Römerstadt Carnuntum 

    Der Mehrwert europäischer Zusammenarbeit

    Der Mehrwert solcher EU-Projekte liegt genau in dieser Perspektive. Sie ermöglichen es, über institutionelle und nationale Grenzen hinweg zu arbeiten. Eine römische Straße, ein Handelsnetz oder ein Grenzsystem lässt sich nicht sinnvoll nur aus heutiger lokaler Sicht erklären. Erst die Zusammenarbeit vieler Partner macht sichtbar, wie eng die Regionen entlang der Donau schon in der Antike miteinander verbunden waren.

    Zugleich entstehen durch solche Projekte konkrete Chancen für die Gegenwart. Gemeinsame digitale Angebote erhöhen die Sichtbarkeit archäologischer Orte. Neue Themenwege und Veranstaltungen stärken den Kulturtourismus. Kleinere Fundorte können von größeren Netzwerken profitieren. Forschungsergebnisse gelangen schneller in die Öffentlichkeit. Und lokale Bevölkerung, Schulen, Besucher und touristische Betriebe erhalten neue Zugänge zu einem Erbe, das oft direkt vor ihrer Haustür liegt.

    Video eines Drohnenfluges über die Dächer des römischen Stadtviertels, das Amphitheater, Heidentor und Museum Carnuntinum.
    © RSV

    Luftaufnahme des Amphitheaters der Zivilstadt in der Römerstadt Carnuntum - © T. Mauerhofer 

    Archäologie als Zukunftsressource

    Archäologie ist weit mehr als der Blick zurück: Sie kann Regionen verbinden, Identität stiften, nachhaltige Entwicklung fördern und europäische Geschichte greifbar machen. Gerade der Donauraum eignet sich dafür in besonderer Weise. Hier überschneiden sich Vergangenheit und Gegenwart, lokale Geschichte und europäische Dimension, wissenschaftliche Forschung und touristisches Erlebnis. ROMAN LEGACY ist kein rein administratives Förderprojekt, sondern ein Versuch, Europas römisches Erbe neu zu erzählen. Nicht als Sammlung einzelner Ruinen, sondern als zusammenhängende Geschichte von Mobilität, Austausch und kultureller Vielfalt.

    Limes-Infostelle im Eingangsbereich des Standortes Petronell. Vitrine und Pult mit Funden und Bildern zu Carnuntum und dem Donaulimes
    © T. Mauerhofer
      Person in detailreicher römischer Rüstung, das Logo der Römerstadt Carnuntum und roter Hintergrund.
      Sa, 5. September 2026
      08:30 Uhr

      Römerfest

      Am 5. und 6. September 2026
      Rekonstruiertes Stadtviertel
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      Person in detailreicher römischer Rüstung, das Logo der Römerstadt Carnuntum und roter Hintergrund.
      So, 6. September 2026
      08:30 Uhr

      Römerfest

      Am 5. und 6. September 2026
      Rekonstruiertes Stadtviertel
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